„Eigentlich läuft doch alles.“ Diesen Satz höre ich oft von jungen Menschen, die zum ersten Mal in meine Praxis kommen. Der Abschluss ist geschafft, der Vertrag unterschrieben, die erste eigene Wohnung eingerichtet. Und trotzdem liegen sie nachts wach, haben sonntags schon Bauchschmerzen und fragen sich, warum alle anderen das scheinbar mühelos hinbekommen.

Wenn Sie sich darin wiedererkennen: Sie sind damit nicht allein, und mit Ihnen ist auch nichts grundsätzlich falsch.

Warum der Berufseinstieg so viel Kraft kostet

Studium oder Ausbildung haben einen klaren Rahmen. Es gibt Semester, Prüfungen, ein Ende. Im Job fällt dieser Rahmen plötzlich weg. Rückmeldungen kommen selten oder gar nicht, die Erwartungen sind oft unausgesprochen, und Feierabend heißt nicht automatisch, dass der Kopf frei ist.

Dazu kommt vieles gleichzeitig: ein neuer Wohnort, vielleicht eine Trennung von Freundeskreis und Familie, eigene Finanzen, die Frage, ob dieser Beruf wirklich der richtige ist. Jede einzelne Veränderung wäre gut zu bewältigen. Zusammen können sie den Boden unter den Füßen wegziehen.

Ein Punkt, der in Gesprächen fast immer auftaucht, ist der Vergleich. Auf Social Media sieht man Beförderungen, Reisen, glückliche Teams. Die schlaflosen Nächte der anderen sieht man nicht. So entsteht leicht der Eindruck, man selbst sei die einzige Person, die strauchelt.

Überforderung im Job erkennen: typische Warnzeichen

Überforderung beginnt selten dramatisch. Meist schleicht sie sich ein. Achten Sie auf Signale wie diese:

  • Sie können am Abend oder am Wochenende kaum noch abschalten.
  • Kleine Fehler beschäftigen Sie tagelang.
  • Sie ziehen sich von Freunden zurück, weil Ihnen die Energie fehlt.
  • Schlaf, Appetit oder Konzentration verändern sich deutlich.
  • Der Gedanke an den nächsten Arbeitstag löst Druck in der Brust oder Übelkeit aus.

Wenn solche Zeichen über Wochen anhalten, lohnt es sich, genauer hinzuschauen, bevor daraus eine Erschöpfung oder eine depressive Phase wird.

Was Verhaltenstherapie in dieser Lebensphase bietet

In der Verhaltenstherapie schauen wir gemeinsam auf das, was Sie konkret belastet. Welche Situationen lösen den Stress aus? Welche Gedanken laufen dann automatisch ab? Häufig sind es sehr strenge innere Sätze wie „Ich darf keine Fehler machen“ oder „Wenn ich nachfrage, halten sie mich für inkompetent“.

Solche Muster lassen sich bearbeiten. Wir prüfen, wie realistisch diese Annahmen sind, und üben neue Wege: um Unterstützung bitten, Grenzen setzen, Prioritäten klären. Manche meiner Klientinnen und Klienten merken schon nach einigen Sitzungen, dass sie wieder freier atmen. Bei anderen braucht es mehr Zeit, und das ist völlig in Ordnung.

Wichtig ist mir dabei: Es geht nicht darum, Sie wieder „funktionsfähig“ zu machen, damit Sie noch mehr leisten. Es geht darum herauszufinden, was Sie brauchen, um in Ihrem Berufsleben gut zu bestehen, ohne sich selbst zu verlieren.

Therapie in Berlin oder per Video

Gerade junge Berufstätige haben oft wenig Spielraum im Kalender. Neben Terminen in meiner Praxis in Berlin biete ich deshalb auch Videositzungen an. Viele schätzen, dass sie dafür keinen Weg einplanen müssen und das Gespräch aus einem vertrauten Raum heraus führen können. Ob Präsenz oder online passender ist, klären wir gern gemeinsam.

Ein erster Schritt

Sie müssen nicht erst am Ende Ihrer Kräfte sein, um sich Unterstützung zu holen. Wenn Sie merken, dass der Berufseinstieg Sie mehr mitnimmt, als Sie erwartet haben, melden Sie sich gern für ein unverbindliches Erstgespräch. Manchmal hilft schon ein Gespräch, um wieder etwas Boden unter den Füßen zu spüren.

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