Über eine Stunde mit Bus und Regionalbahn bis zur nächsten Praxis, hin und zurück, jede Woche, neben dem Job. Wer das ein paar Monate durchzieht, merkt schnell, wie viel Kraft allein der Weg kostet. Manche geben dann auf, obwohl ihnen die Therapie gutgetan hat.

Von solchen Hürden höre ich häufig von Menschen aus dem Berliner Umland, aus Brandenburg oder auch aus dem Sauerland. Wer auf dem Land lebt, hat oft wenige Praxen in erreichbarer Nähe, und die wenigen sind nicht selten ausgebucht.

Was Videotherapie auf dem Land möglich macht

Der offensichtlichste Punkt ist die Zeit. Statt Anfahrt, Parkplatzsuche und Rückweg brauchen Sie für eine Sitzung per Video im Grunde nur die Stunde selbst. Das macht es realistischer, über Monate dranzubleiben, und Regelmäßigkeit ist in einer Psychotherapie viel wert.

Dazu kommt die Auswahl. Wenn der Wohnort nicht mehr entscheidet, mit wem Sie arbeiten, können Sie gezielter nach einem Schwerpunkt suchen, etwa nach Verhaltenstherapie oder Traumatherapie, statt das zu nehmen, was im Umkreis gerade frei ist.

Für manche spielt auch Diskretion eine Rolle. In kleinen Orten kennt man sich, und nicht jede und jeder möchte beim Betreten einer Praxis gesehen werden. Zu Hause vor dem Laptop stellt sich diese Frage nicht.

Welche Technik Sie brauchen

Die Anforderungen sind überschaubar. Ein Laptop, Tablet oder notfalls ein Smartphone mit Kamera und Mikrofon reicht aus. Kopfhörer sind angenehm, weil sie das Gespräch etwas privater machen. Wichtiger als das Gerät ist die Internetverbindung, und genau da hakt es auf dem Land manchmal. Bevor wir starten, machen wir deshalb einen kurzen Technik-Test. Wenn das Bild ab und zu ruckelt, ist das kein Drama. Bricht die Verbindung aber regelmäßig ab, suchen wir gemeinsam nach einer Lösung.

Was viele unterschätzen: der Raum. Sie brauchen einen Ort, an dem Sie eine Stunde ungestört und unbelauscht sprechen können. Das kann das Schlafzimmer sein, ein Arbeitszimmer oder, wenn es zu Hause eng ist, auch mal das geparkte Auto.

Wo die Grenzen liegen

Videotherapie ist nicht für jede Situation die richtige Form. In akuten Krisen, etwa bei Suizidgedanken, braucht es Hilfe vor Ort und schnell erreichbare Ansprechpartner. Dann ist der Hausarzt, eine psychiatrische Ambulanz oder der Notruf der richtige Weg, nicht der nächste Videotermin.

Auch bei manchen Traumafolgen, besonders wenn Menschen in belastenden Momenten stark dissoziieren, sind Termine vor Ort oft sinnvoller. Und schließlich gibt es Menschen, denen der persönliche Kontakt im selben Raum einfach wichtig ist. Das ist völlig in Ordnung und auch ein Kriterium.

Eine Zwischenlösung kann sein, einen Großteil der Sitzungen per Video zu machen und gelegentlich für einen Termin in die Praxis zu kommen. Aus dem Berliner Umland ist meine Praxis in Berlin-Friedrichshain mit Regionalbahn und S-Bahn meist gut erreichbar, wenn es nicht jede Woche sein muss.

Wie der Einstieg aussieht

Der Ablauf unterscheidet sich kaum von einer Therapie in der Praxis. Wir beginnen mit einem Erstgespräch, in dem Sie erzählen, was Sie belastet, und ich Ihnen einen Eindruck davon gebe, wie ich arbeite. Dabei klären wir auch, ob Videotherapie für Ihr Anliegen passt oder ob Sie besser zumindest teilweise vor Ort behandelt werden.

Wenn Sie auf dem Land leben und bisher dachten, eine Psychotherapie sei für Sie organisatorisch kaum machbar, lohnt sich vielleicht ein zweiter Blick. Schreiben Sie mir gern, dann besprechen wir in Ruhe, ob Videotherapie für Sie ein gangbarer Weg ist.

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