Seit ich Videotherapie anbiete, kommt eine Frage immer wieder: „Geht EMDR eigentlich auch online?“ Meistens stellen sie Menschen, die nicht in Berlin wohnen und trotzdem gezielt eine Traumatherapie suchen. Eine pauschale Antwort habe ich darauf nicht. Ich kann aber erklären, wie ich darüber denke und worauf es ankommt.

Kurz zur Methode

EMDR steht für Eye Movement Desensitization and Reprocessing. Vereinfacht gesagt richtet man die Aufmerksamkeit auf eine belastende Erinnerung, während gleichzeitig eine abwechselnde Links-rechts-Stimulation läuft, etwa durch Augenbewegungen oder Antippen. Ziel ist, dass die Erinnerung an Wucht verliert und sich eher wie etwas Vergangenes anfühlt.

Wichtig ist, dass EMDR nie isoliert steht. Vor der eigentlichen Bearbeitung kommen ausführliche Gespräche, eine sorgfältige Planung und vor allem die Stabilisierung. Genau dieser Teil wird oft unterschätzt.

EMDR per Video: Was online gut gelingt

Ein großer Teil der Traumatherapie funktioniert über den Bildschirm erstaunlich gut. Dazu gehört das Kennenlernen und die Vorgeschichte. Auch Stabilisierungsübungen, also Techniken, mit denen Sie sich selbst beruhigen und im Hier und Jetzt verankern, lassen sich per Video gut vermitteln und üben. Ein Vorteil dabei: Sie üben in Ihrer eigenen Umgebung, dort, wo Sie die Techniken später auch brauchen.

Für die bilaterale Stimulation gibt es Varianten, die ohne Anwesenheit im selben Raum auskommen. Sie können sich zum Beispiel selbst abwechselnd auf die Oberarme tippen, die sogenannte Schmetterlingsumarmung. Ob das in Ihrem Fall eine gute Wahl ist, besprechen wir vorher gemeinsam.

Was online eine Voraussetzung ist

Bei der Bearbeitung belastender Erinnerungen können starke Gefühle hochkommen. In der Praxis sitze ich Ihnen gegenüber und bekomme kleine Veränderungen in Haltung und Atmung direkt mit. Per Video sehe ich davon weniger. Deshalb achte ich bei Online-Sitzungen besonders auf einige Punkte:

  • Sie haben einen ungestörten Raum, in dem niemand hereinkommt und Sie offen sprechen können.
  • Die Verbindung ist stabil genug, dass ein Abbruch mitten in einer intensiven Phase unwahrscheinlich ist.
  • Wir haben vorab vereinbart, was passiert, wenn die Verbindung doch abreißt, und Sie kennen Übungen, mit denen Sie sich allein wieder fangen können.
  • Es gibt jemanden in Ihrer Nähe, an den Sie sich nach einer schweren Sitzung wenden könnten.

Das klingt nach viel Organisation. In der Praxis ist es meist schnell geklärt, und es gibt Ihnen selbst auch Sicherheit.

Wann die Praxis der bessere Ort ist

Manchmal rate ich zu Terminen vor Ort, zumindest für die Bearbeitungsphase. Zum Beispiel, wenn jemand in belastenden Momenten stark dissoziiert, also innerlich „wegdriftet“ oder sich wie abgeschnitten fühlt. Das ist über den Bildschirm schwerer zu erkennen und aufzufangen. Auch wenn zu Hause kein wirklich geschützter Raum zur Verfügung steht, etwa weil die belastende Situation genau dort stattgefunden hat oder noch andauert, ist die Praxis oft der sicherere Ort.

Eine Mischform kann gut funktionieren: Vorgespräche und Stabilisierung per Video, einzelne Bearbeitungssitzungen in meiner Praxis in Berlin-Friedrichshain. Das erspart lange Anfahrten für jeden Termin und gibt trotzdem Halt, wo er besonders gebraucht wird.

Wie wir das gemeinsam entscheiden

Ich entscheide nicht vorab am Schreibtisch, ob EMDR bei Ihnen online laufen kann. Das klären wir im Erstgespräch und in den ersten Sitzungen, wenn ich mehr über Ihre Geschichte und Ihre Lebenssituation weiß. Dabei zählt auch, was Sie selbst möchten. Manche fühlen sich zu Hause deutlich sicherer und öffnen sich dort leichter. Andere brauchen gerade den klaren Rahmen eines Praxisraums, den sie nach der Stunde wieder verlassen.

Wenn Sie überlegen, eine Traumatherapie mit EMDR zu beginnen und nicht sicher sind, ob Online-Termine für Sie in Frage kommen, melden Sie sich gern. In einem ersten Gespräch schauen wir, welcher Weg zu Ihnen passt, per Video, in der Praxis in Berlin oder als Kombination.

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