„Ich weiß gar nicht, was ich sagen soll.“ So beginnen erstaunlich viele erste Gespräche in meiner Praxis. Manche Menschen haben sich den Termin wochenlang vorgenommen, Notizen gemacht und sitzen dann da und merken, dass die Worte nicht kommen. Andere erzählen flüssig von ihrem Alltag, aber sobald es um das geht, was sie eigentlich hergeführt hat, wird es still.

Wenn Sie das kennen oder befürchten: Das ist kein Hindernis für eine Therapie. Es ist oft sogar ein guter Ausgangspunkt.

Warum es so schwerfällt, über Gefühle zu sprechen

Die Gründe sind sehr unterschiedlich, und meistens kommen mehrere zusammen.

Scham

Viele Dinge, die uns belasten, haben wir noch nie laut ausgesprochen. Manches hält man für peinlich, für übertrieben oder für etwas, das man längst allein hätte lösen müssen. Der Gedanke, das einem fremden Menschen zu erzählen, kann sich anfühlen, als würde man sich nackt zeigen.

Keine Sprache für das Innere

Nicht jeder ist es gewohnt, Gefühle zu benennen. Wer in einer Familie aufgewachsen ist, in der über Traurigkeit oder Wut nicht gesprochen wurde, hat oft schlicht wenig Übung darin. Dann fühlt sich alles nach „irgendwie schlecht“ an, ohne dass sich genauer sagen lässt, was es ist. Das ist kein Mangel, sondern etwas, das man lernen kann.

Angst vor dem Urteil

Hinter dem Schweigen steckt häufig die Sorge, bewertet zu werden. Was denkt die Therapeutin jetzt über mich? Hält sie mich für schwach, für undankbar, für verrückt? Diese Angst ist verständlich, gerade wenn man im Leben schon erlebt hat, dass Offenheit gegen einen verwendet wurde.

Wenn Erinnerungen zu nah kommen

Bei belastenden oder traumatischen Erfahrungen ist das Schweigen manchmal auch ein Schutz. Wer darüber spricht, spürt die Gefühle von damals wieder. Hier ist es wichtig, dass niemand gedrängt wird. In der Traumatherapie bestimmen Sie das Tempo, und es gibt Methoden wie EMDR, bei denen nicht jedes Detail in Worte gefasst werden muss.

Therapie beginnen, ohne die richtigen Worte zu haben

Sie müssen nicht vorbereitet kommen. Es ist meine Aufgabe, durch das Gespräch zu führen, Fragen zu stellen und Pausen auszuhalten. Ein paar Dinge, die vielen den Anfang erleichtern:

  • Sagen Sie ruhig direkt, dass es Ihnen schwerfällt. Damit ist schon viel ausgesprochen.
  • Schreiben Sie vorher Stichpunkte auf und lesen Sie sie vor, wenn Ihnen das leichter fällt.
  • Fangen Sie bei etwas Konkretem an, einer Situation aus der letzten Woche, statt beim „großen Thema“.
  • Sie dürfen auch sagen: „Darüber möchte ich heute noch nicht sprechen.“

Vertrauen entsteht nicht in der ersten Stunde. Es wächst, wenn Sie erleben, dass das, was Sie sagen, mit Respekt aufgenommen wird. Und wenn Sie merken, dass die Chemie nicht stimmt, ist es völlig in Ordnung, das anzusprechen.

Ist Online-Therapie einfacher?

Für manche Menschen ja. Die vertraute Umgebung, der eigene Sessel, die Tasse Tee daneben: Das kann helfen, sich etwas sicherer zu fühlen. Andere brauchen gerade den geschützten Raum der Praxis, um sich zu öffnen. Es gibt hier kein Richtig oder Falsch. Ich biete beides an, in meiner Praxis in Berlin und per Video, und wir können auch zwischen den Formen wechseln.

Der erste Schritt darf klein sein

Sie müssen nicht genau wissen, was Sie sagen wollen, um sich zu melden. Ein erstes Gespräch ist dafür da, sich kennenzulernen und herauszufinden, ob die Zusammenarbeit für Sie passt. Wenn Sie schon länger überlegen, schreiben Sie mir gern eine kurze Nachricht. Das ist oft leichter als ein Anruf.

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