Viele Menschen, die zu mir in die Praxis nach Berlin-Friedrichshain kommen, beschreiben ihren Stress zuerst gar nicht als Gedanken. Sie erzählen von einem Kiefer, der morgens verspannt ist. Von einem Druck auf der Brust in der U-Bahn. Von Schultern, die abends irgendwo in der Nähe der Ohren hängen. Erst danach kommen die Sätze wie „Ich schaffe das alles nicht mehr“.

Das ist kein Zufall. Stress ist eine Reaktion des ganzen Organismus, und der Körper meldet sich häufig früher als der Kopf. Deshalb gehören körperorientierte Übungen fest zu meiner verhaltenstherapeutischen Arbeit, allerdings mit klarem Rahmen.

Stress im Körper: Warum Anspannung sich festsetzt

Wenn wir unter Druck stehen, stellt sich der Körper auf Handeln ein. Der Atem wird flacher und schneller, Muskeln spannen sich an, die Aufmerksamkeit verengt sich. Für kurze Belastungen ist das sinnvoll. Problematisch wird es, wenn dieser Zustand zum Dauerbetrieb wird, etwa bei anhaltender Überlastung im Beruf, in der Pflege Angehöriger oder nach einer schweren Zeit.

Viele meiner Klientinnen und Klienten merken dann gar nicht mehr, wie angespannt sie sind. Die Anspannung ist zur neuen Normallage geworden. Genau hier setzt die Arbeit mit dem Körper an: Sie macht wieder spürbar, was sich eingeschliffen hat.

Welche Übungen ich in der Therapie einsetze

Es geht dabei nicht um Sport und auch nicht um aufwendige Methoden. Die Übungen sind bewusst einfach, damit sie sich später in den Alltag mitnehmen lassen.

  • Atemübungen: zum Beispiel ein etwas verlängertes Ausatmen. Wer langsamer ausatmet als ein, gibt dem Körper ein Signal, dass gerade keine Gefahr besteht.
  • Progressive Muskelentspannung: Muskelgruppen werden kurz angespannt und dann wieder losgelassen. Der Unterschied zwischen beiden Zuständen wird dadurch deutlicher.
  • Kurze Wahrnehmungsübungen, bei denen die Aufmerksamkeit für einen Moment zu den Füßen, zum Sitzen auf dem Stuhl oder zu Geräuschen im Raum wandert.
  • Kleine Beobachtungsaufgaben für zu Hause: Wann spüre ich die Anspannung zuerst, und was ist kurz davor passiert?

Gerade die letzte Aufgabe verbindet Körper und Verhaltenstherapie. Wenn jemand bemerkt, dass sich der Nacken jedes Mal vor dem Öffnen des E-Mail-Postfachs verspannt, haben wir etwas Konkretes, mit dem wir weiterarbeiten können.

Warum das Gespräch trotzdem wichtig bleibt

Zurzeit liest man öfter, man solle „weniger reden und mehr spüren“. Ich verstehe den Gedanken, halte ihn aber für verkürzt. Eine Atemübung kann in einem akuten Moment Erleichterung bringen. Sie erklärt aber nicht, warum jemand seit Jahren keine Grenzen setzt, warum bestimmte Situationen so bedrohlich wirken oder welche Überzeugungen dahinterstehen.

In der Verhaltenstherapie schauen wir deshalb auf beides. Die Körperübungen helfen, wieder etwas Boden unter die Füße zu bekommen. Im Gespräch klären wir, welche Muster den Stress immer wieder anfachen, und probieren neue Wege aus. Das eine ersetzt das andere nicht.

Wo die Grenzen liegen

Körperorientierte Übungen sind kein Allheilmittel. Manche Menschen erleben es anfangs sogar als unangenehm, die Aufmerksamkeit nach innen zu richten, besonders nach belastenden oder traumatischen Erfahrungen. Dann gehen wir langsamer vor, lassen die Augen offen oder wählen Übungen, die eher nach außen gerichtet sind. Niemand muss etwas aushalten, das sich falsch anfühlt.

Auch körperliche Beschwerden gehören ärztlich abgeklärt. Herzrasen, Schwindel oder anhaltende Schmerzen können mit Stress zusammenhängen, müssen es aber nicht.

Ein erster Schritt

Wenn Sie merken, dass Ihr Körper seit längerer Zeit Alarm schlägt, lohnt es sich, genauer hinzusehen. In meiner Privatpraxis in Berlin-Friedrichshain und online per Video begleite ich Erwachsene dabei, Stress besser zu verstehen und neue Umgangsweisen zu finden. Melden Sie sich gern für ein erstes Gespräch.

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