„Lohnt sich das in meinem Alter überhaupt noch?“ Diese Frage stellen mir Menschen jenseits der 50 erstaunlich oft, meistens schon im ersten Telefonat. Manchmal klingt sie fast wie eine Entschuldigung. Meine Antwort ist jedes Mal dieselbe: Ja. Die Fähigkeit, Neues zu lernen und alte Muster zu verändern, hat kein Verfallsdatum.
Psychotherapie in der zweiten Lebenshälfte: Was diese Zeit ausmacht
Die Jahre ab etwa 50 sind selten ruhig. Kinder ziehen aus, Eltern werden pflegebedürftig oder sterben, der Beruf endet oder verändert sich. Der eigene Körper macht sich anders bemerkbar als früher. Und irgendwann stellt sich die Frage, was vom Leben noch kommen soll und wie man auf das Bisherige blickt.
Viele meiner Klientinnen und Klienten in dieser Lebensphase haben jahrzehntelang für andere funktioniert. Erst wenn die äußeren Aufgaben weniger werden, tauchen Gefühle auf, für die vorher kein Platz war. Das kann Trauer sein, eine diffuse Leere oder alte Ängste, die nun lauter werden.
Typische Anlässe, die mir in der Praxis begegnen
- Der Übergang in den Ruhestand, der sich anders anfühlt als erwartet
- Der Verlust der Partnerin, des Partners oder enger Freunde
- Anhaltende Niedergeschlagenheit, die man lange als „normal fürs Alter“ abgetan hat
- Ängste, etwa vor Krankheit, Abhängigkeit oder dem Alleinsein
- Belastende Erinnerungen, die im Rückblick wieder hochkommen
Der letzte Punkt überrascht manche. Doch gerade wenn der Alltag stiller wird, melden sich Erlebnisse aus früheren Jahrzehnten zurück, die nie wirklich verarbeitet wurden. Auch dafür ist es nicht zu spät.
Warum Erfahrung in der Therapie ein Vorteil ist
Ältere Menschen bringen etwas mit, das Jüngeren oft fehlt: einen langen Blick auf das eigene Leben. Sie wissen, welche Krisen sie schon bewältigt haben und was ihnen damals geholfen hat. In der Verhaltenstherapie greife ich solche Ressourcen bewusst auf. Wir schauen, welche Gewohnheiten und Denkmuster heute noch dienlich sind und welche man ablegen darf.
Veränderung heißt dabei nicht, das ganze Leben umzukrempeln. Manchmal geht es darum, nach einem Verlust wieder eine Tagesstruktur zu finden. Oder darum, zum ersten Mal auszusprechen, was man jahrzehntelang für sich behalten hat.
Videotherapie: Wenn der Weg in die Praxis schwerfällt
Nicht jeder kann oder möchte regelmäßig quer durch Berlin fahren. Eingeschränkte Mobilität, die Pflege eines Angehörigen oder einfach lange Wege sind reale Hürden. Deshalb biete ich neben Terminen in meiner Praxis in Berlin-Friedrichshain auch Therapie per Video an.
Die Sorge vor der Technik ist oft größer als die Technik selbst. Sie brauchen einen Computer, ein Tablet oder ein Smartphone mit Kamera und eine stabile Internetverbindung. Beim ersten Termin nehmen wir uns gern ein paar Minuten, bis alles läuft. Einige meiner Klientinnen und Klienten haben sich anfangs von ihren Enkeln helfen lassen und machen es inzwischen ganz selbstverständlich allein.
Für Angehörige
Vielleicht lesen Sie diesen Text, weil Sie sich um Ihre Mutter, Ihren Vater oder einen älteren Freund sorgen. Dann kann es helfen, das Thema behutsam anzusprechen, ohne Druck. Ob eine Therapie infrage kommt, entscheidet am Ende die betroffene Person selbst.
Wenn Sie spüren, dass sich in Ihrem Leben etwas verändern soll, ob mit 55 oder mit 78: Melden Sie sich gern für ein erstes Gespräch in meiner Privatpraxis in Berlin oder per Video.