„Tagsüber geht es inzwischen, aber nachts bin ich wieder mittendrin.“ So oder ähnlich höre ich es in meiner Praxis in Berlin immer wieder. Menschen haben einen Unfall, einen Übergriff, eine schwere Krankheit oder einen plötzlichen Verlust erlebt. Sie funktionieren im Alltag, doch der Schlaf ist zum Problem geworden. Manche schieben das Zubettgehen hinaus, weil sie Angst vor dem nächsten Traum haben.
Warum Albträume nach belastenden Erlebnissen bleiben
Nach einem sehr belastenden Ereignis ist es zunächst nicht ungewöhnlich, schlecht zu träumen. Das Gehirn versucht, das Erlebte irgendwie einzuordnen. Bei vielen Menschen lässt das nach einigen Wochen nach.
Bei anderen nicht. Dann wiederholt sich oft ein sehr ähnlicher Traum, manchmal fast wie ein Film, der immer an derselben Stelle abreißt. Die Erinnerung an das Erlebte ist offenbar nicht so abgespeichert worden, dass sie „erledigt“ wirkt. Sie bleibt lebendig und drängt sich auf, tagsüber in Form von Bildern oder Gedanken, nachts im Traum.
Dazu kommt ein Kreislauf, den ich häufig beobachte: Wer Angst vor Albträumen hat, geht angespannt ins Bett, schläft schlechter ein und wacht leichter auf. Der Schlafmangel macht am nächsten Tag dünnhäutiger. So verstärkt sich das Problem von selbst.
Wann Sie sich Unterstützung holen sollten
Einzelne schlechte Nächte sind kein Grund zur Sorge. Anders sieht es aus, wenn die Albträume über Wochen oder Monate anhalten, wenn Sie deshalb Angst vor dem Einschlafen haben oder wenn tagsüber weitere Beschwerden dazukommen, etwa ständige Wachsamkeit, Schreckhaftigkeit oder das Vermeiden von Orten und Situationen, die an das Erlebte erinnern. Dann lohnt sich ein genauerer Blick, denn wiederkehrende Albträume können Teil einer Traumafolgestörung sein.
Was in der Traumatherapie helfen kann
Es gibt Ansätze, die sich gezielt mit belastenden Träumen und Erinnerungen beschäftigen. Welcher davon passt, kläre ich immer im Einzelfall. Zwei Richtungen möchte ich hier allgemein beschreiben.
Den Traum umschreiben
Bei der sogenannten Imagery Rehearsal Therapy wird der wiederkehrende Albtraum im wachen Zustand bewusst verändert. Sie überlegen sich, wie der Traum anders weitergehen oder enden könnte, und stellen sich diese neue Version tagsüber immer wieder vor. Das klingt zunächst fast zu einfach. Der Gedanke dahinter ist, dem Gehirn eine Alternative anzubieten, statt nur das alte Drehbuch abzuspielen. Ähnlich arbeitet die Imagery Rescripting and Reprocessing Therapy (IRRT), die innere Bilder einer belastenden Situation Schritt für Schritt verändert.
Die Erinnerung verarbeiten
Häufig ist es sinnvoll, nicht nur am Traum, sondern an der zugrunde liegenden Erinnerung zu arbeiten. Hier kommt zum Beispiel EMDR infrage. Dabei richten Sie die Aufmerksamkeit auf die belastende Erinnerung, während gleichzeitig eine bilaterale Stimulation stattfindet, etwa durch geführte Augenbewegungen. Ziel ist, dass die Erinnerung an Schärfe verliert und sich eher wie etwas Vergangenes anfühlt.
Wichtig ist mir dabei: Bevor wir an belastende Inhalte gehen, sorgen wir für Stabilität. Sie lernen Möglichkeiten kennen, sich zu beruhigen und im Hier und Jetzt zu verankern. Das Tempo bestimmen wir gemeinsam.
Was Sie jetzt schon tun können
Manchen hilft es, nach dem Aufwachen bewusst im Raum anzukommen, das Licht anzumachen, die Füße auf den Boden zu stellen und laut zu benennen, wo sie gerade sind. Eine ruhige Abendroutine ersetzt keine Therapie, kann aber die Anspannung vor dem Schlafengehen etwas senken.
Wenn Albträume Ihre Nächte bestimmen, müssen Sie das nicht allein durchstehen. In meiner Privatpraxis in Berlin-Friedrichshain und per Video biete ich Traumatherapie und EMDR für Erwachsene an. Schreiben Sie mir gern, wenn Sie über ein Erstgespräch nachdenken.