Wer seit Jahren mit Rückenschmerzen, Migräne oder einem Schmerz lebt, für den keine Untersuchung eine klare Ursache findet, kennt einen bestimmten Satz nur zu gut: „Das ist bestimmt psychisch.“ Viele Menschen, die zu mir in die Praxis kommen, haben diesen Satz als Kränkung erlebt. Als würde man ihnen den Schmerz absprechen. Genau darum geht es mir hier nicht. Der Schmerz ist echt. Die Frage ist eher, was ihn verstärkt, am Laufen hält oder lauter macht, als er sein müsste.

Wie Körper und Erinnerung zusammenhängen

Unser Nervensystem bewertet Schmerz ständig. Es entscheidet mit, wie bedrohlich ein Signal wirkt und wie viel Aufmerksamkeit es bekommt. Wenn jemand einen Unfall, eine schwere Operation oder eine lange Zeit der Hilflosigkeit erlebt hat, kann dieses System dauerhaft in Alarmbereitschaft bleiben. Der Körper reagiert dann so, als sei die Gefahr noch nicht vorbei.

In meiner Arbeit sehe ich das oft an kleinen Details. Eine Patientin beschrieb mir, dass ihr Nackenschmerz jedes Mal anstieg, wenn sie an einer bestimmten Kreuzung vorbeifuhr – dort, wo Jahre zuvor ihr Unfall passiert war. Der Schmerz hatte eine körperliche Grundlage. Die Erinnerung hat ihn trotzdem spürbar mitgesteuert.

Was EMDR bei chronischen Schmerzen leisten kann

EMDR ist eine Methode, die ursprünglich für die Behandlung von Traumafolgen entwickelt wurde. Dabei wird eine belastende Erinnerung aufgerufen, während gleichzeitig eine bilaterale Stimulation stattfindet, meist durch geführte Augenbewegungen. Ziel ist, dass das Gehirn die Erinnerung neu verarbeiten kann und sie ihren überwältigenden Charakter verliert.

Bei chronischen Schmerzen setzt EMDR deshalb nicht am Gewebe an, sondern an den Erfahrungen, die mit dem Schmerz verknüpft sind. Das kann der Moment der Verletzung sein. Es können auch Arztgespräche sein, in denen man sich nicht ernst genommen fühlte, oder die Angst, dass es nie wieder besser wird. Manche Menschen berichten nach dieser Arbeit, dass der Schmerz weniger bedrohlich wirkt oder sie besser mit ihm umgehen können. Versprechen kann ich das niemandem, und bei manchen verändert sich am Schmerz selbst wenig.

Ein ergänzender Baustein, kein Ersatz

Dass sich inzwischen auch Schmerzkliniken intensiver mit EMDR befassen, freut mich. Es zeigt, dass die Verbindung zwischen seelischer Belastung und körperlichem Schmerz ernster genommen wird. Wichtig bleibt mir trotzdem: Eine Psychotherapie ersetzt keine medizinische Abklärung und keine schmerzmedizinische Behandlung. Am besten wirkt sie, wenn beides zusammenkommt und Ärztinnen, Physiotherapeuten und Therapeutin in dieselbe Richtung arbeiten.

Wann es sich lohnen kann, genauer hinzuschauen

  • Der Schmerz begann nach einem Unfall, einer Operation oder einer belastenden Lebensphase.
  • Bestimmte Orte, Gedanken oder Situationen verstärken ihn deutlich.
  • Sie schlafen schlecht, schrecken hoch oder haben wiederkehrende Bilder im Kopf.
  • Die bisherige Behandlung hat geholfen, aber irgendetwas bleibt hängen.

Wie der Einstieg in der Praxis aussieht

Bevor wir mit EMDR arbeiten, nehme ich mir Zeit für Ihre Geschichte. Wir schauen gemeinsam, welche Erfahrungen mit dem Schmerz verbunden sind und ob Sie genug Stabilität für die Verarbeitungsarbeit mitbringen. Manchmal ist es sinnvoll, zuerst an Entspannung, Schlaf oder dem Umgang mit Angst zu arbeiten. Erst dann gehen wir an die belastenden Erinnerungen.

Wenn Sie den Eindruck haben, dass Ihr Schmerz mehr mit Ihrer Geschichte zu tun hat, als bisher besprochen wurde, können wir das in einem Erstgespräch in Ruhe klären – in meiner Praxis oder per Video.

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