„Kann das wirklich genauso wirken wie ein Termin vor Ort?“ Diese Frage höre ich oft, wenn Menschen erstmals eine Video-Sitzung statt eines Praxisbesuchs erwägen. Die kurze Antwort: für viele ja, für manche eher nicht – und es lohnt sich, genauer hinzuschauen, bevor man sich festlegt.

Wo Videotherapie ihre Stärken hat

Wer beruflich stark eingebunden ist, häufig unterwegs ist oder in einer Stadt wie Berlin lange Anfahrtswege in Kauf nehmen müsste, gewinnt durch das Videoformat vor allem eines: Flexibilität. Ein Termin lässt sich in eine Mittagspause legen, ohne dass eine Stunde für Hin- und Rückweg draufgeht. Auch Menschen mit eingeschränkter Mobilität oder mit kleinen Kindern zu Hause berichten mir, dass ihnen das Format erst regelmäßige Termine überhaupt ermöglicht.

Ein weiterer Punkt, den ich in Gesprächen immer wieder höre: Manche Menschen öffnen sich in der vertrauten Umgebung der eigenen Wohnung leichter als in einem fremden Praxisraum. Die gewohnte Umgebung kann Sicherheit geben, gerade zu Beginn einer Behandlung.

Wo das Format an Grenzen stößt

Gleichzeitig gibt es Situationen, in denen ich von einer rein digitalen Behandlung eher abrate. Bei akuten Krisen, bei starker Suizidalität oder bei schweren dissoziativen Zuständen brauche ich als Therapeutin die unmittelbare Präsenz vor Ort, um angemessen reagieren zu können. Auch wer zu Hause keinen ungestörten, privaten Rückzugsort hat, tut sich mit Videositzungen oft schwerer – Offenheit fällt schwer, wenn im Nebenzimmer jemand mithören könnte.

Technische Störungen sind ein weiterer, eher unterschätzter Faktor. Eine wackelige Internetverbindung mitten in einem emotional dichten Moment kann den therapeutischen Prozess unterbrechen und ist frustrierend für beide Seiten. Wer sich für dieses Format entscheidet, sollte also auch praktisch die Voraussetzungen dafür mitbringen.

Wie eine Video-Sitzung in meiner Praxis abläuft

Technisch ist der Einstieg unkompliziert: Ich nutze eine datenschutzkonforme Videoplattform, der Zugang erfolgt über einen Link, eine Installation zusätzlicher Software ist in der Regel nicht nötig. Inhaltlich unterscheidet sich eine Video-Sitzung von einem Präsenztermin weniger, als viele erwarten – wir sprechen, arbeiten mit denselben Methoden, nur der Raum dazwischen ist ein Bildschirm statt ein gemeinsames Zimmer.

Bei manchen Verfahren, etwa bestimmten körperorientierten oder EMDR-nahen Übungen, wäge ich im Einzelfall ab, ob Präsenz sinnvoller ist. Häufig kombiniere ich beide Formate: reguläre Sitzungen vor Ort in meiner Berliner Praxis, ergänzt durch einzelne Video-Termine, wenn Reisen oder Terminkonflikte es erfordern.

Eine Entscheidung, die zur eigenen Situation passen sollte

Ob Video-Therapie die richtige Wahl ist, hängt stark von der individuellen Lebenssituation und dem Störungsbild ab. Im Erstgespräch bespreche ich das offen, damit die Entscheidung nicht aus reiner Bequemlichkeit fällt, sondern zu dem passt, was gerade therapeutisch gebraucht wird.

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