Wenn Menschen zum ersten Mal in meine Praxis in Berlin kommen und von belastenden Erinnerungen erzählen, die sie seit Jahren begleiten, fällt oft derselbe Satz: „Ich weiß eigentlich, dass es vorbei ist – aber mein Körper reagiert trotzdem, als wäre es gerade erst passiert.“ Genau an diesem Punkt setzt EMDR an.
Was in der Therapie tatsächlich passiert
EMDR steht für Eye Movement Desensitization and Reprocessing, auf Deutsch etwa: Desensibilisierung und Verarbeitung durch Augenbewegungen. Die Grundidee ist einfach beschrieben, auch wenn der Wirkmechanismus im Detail komplexer ist: Während die Patientin oder der Patient sich an ein belastendes Bild erinnert, folgt sie mit den Augen einer Hand- oder Lichtbewegung, manchmal auch abwechselnden Tönen oder leichten Klopfimpulsen. Diese bilaterale Stimulation scheint dabei zu helfen, dass das Gehirn die Erinnerung noch einmal verarbeitet – diesmal so, dass sie ihren körperlichen Alarmcharakter verliert.
In der Praxis bedeutet das: Die Erinnerung bleibt bestehen, Menschen vergessen nicht, was ihnen widerfahren ist. Was sich verändert, ist die emotionale und körperliche Reaktion darauf. Ein Geräusch, ein Ort oder eine Situation, die vorher sofort Herzrasen oder Fluchtimpulse ausgelöst hat, wird nach und nach neutraler.
Für wen EMDR infrage kommt
Am bekanntesten ist EMDR bei der Behandlung einzelner, klar umrissener traumatischer Erlebnisse – ein Unfall, ein Überfall, eine belastende Geburt. Hier zeigt die Methode oft vergleichsweise schnelle Fortschritte. Bei komplexeren Belastungen, etwa nach wiederholten Erfahrungen in der Kindheit, braucht es meist mehr Zeit und eine sorgfältige Vorbereitung, bevor überhaupt mit der eigentlichen Verarbeitung begonnen wird. Stabilität geht vor Tempo.
Nicht jede Form von psychischer Belastung ist ein Fall für EMDR. Bei akuten Krisen, schwerer Dissoziation oder bestimmten körperlichen Vorerkrankungen wähle ich andere Wege oder kombiniere Verfahren. Deshalb steht am Anfang immer ein ausführliches Gespräch, in dem wir gemeinsam schauen, ob die Methode zur aktuellen Situation passt.
Wie ein Ablauf in der Praxis aussehen kann
Bevor die eigentliche EMDR-Arbeit beginnt, nehme ich mir Zeit für die Anamnese und den Aufbau von inneren Ressourcen – etwa Techniken, mit denen sich jemand selbst beruhigen kann, falls eine Sitzung emotional aufwühlend wird. Erst danach folgt die Konfrontation mit der belastenden Erinnerung in kontrollierten, kleinen Schritten. Zwischen den Durchgängen frage ich immer wieder nach, wie es der Person gerade geht, und passe das Tempo entsprechend an.
Die Anzahl der nötigen Sitzungen lässt sich vorab kaum verlässlich vorhersagen. Manche einzelnen Erlebnisse lassen sich in wenigen Terminen deutlich entlasten, andere Themen brauchen einen längeren Prozess. Wichtig ist mir, dass niemand das Gefühl hat, gedrängt zu werden – EMDR funktioniert nur, wenn die Person sich sicher genug fühlt, sich auf die Erinnerung einzulassen.
Was die Methode nicht ist
EMDR ist kein schnelles Löschen unangenehmer Erinnerungen und auch kein Trick, mit dem sich Vergangenes einfach wegblenden lässt. Manche Klientinnen und Klienten kommen mit dieser Erwartung, und ich erkläre dann gern, was realistisch ist: eine spürbare Entlastung, ein verändertes Verhältnis zur Erinnerung, aber keine Garantie und kein Ersatz für den eigenen Verarbeitungsprozess.
Wer sich fragt, ob EMDR für die eigene Situation geeignet sein könnte, kann sich gern für ein Erstgespräch in meiner Berliner Praxis melden. Gemeinsam schauen wir dann in Ruhe, welcher Weg passt.