Herzrasen vor einer Präsentation, ein mulmiges Gefühl vor dem ersten Date, Nervosität vor einer Prüfung – Angst gehört zum Leben und ist zunächst kein Grund zur Sorge. Schwieriger wird es, wenn die Angst nicht mehr zur konkreten Situation passt, sondern sich verselbstständigt und den Alltag zunehmend einschränkt.
Woran sich eine Angststörung von normaler Angst unterscheidet
In meiner Praxis sehe ich häufig ein Muster: Die Sorge betrifft nicht mehr nur eine bestimmte Situation, sondern breitet sich aus. Jemand vermeidet zunächst nur volle U-Bahnen, dann größere Menschenmengen generell, irgendwann auch Einkaufen oder Treffen mit Freunden. Diese schleichende Einschränkung des eigenen Handlungsspielraums ist oft deutlicher zu erkennen als die Angst selbst.
Körperlich zeigen sich Angststörungen sehr unterschiedlich: Herzklopfen, Schwitzen, Zittern, Engegefühl in der Brust, Schwindel oder ein Kloß im Hals gehören zu den häufigsten Symptomen. Viele Betroffene suchen deshalb zunächst hausärztlichen oder kardiologischen Rat – was sinnvoll ist, um körperliche Ursachen auszuschließen, bevor der psychische Anteil in den Blick genommen wird.
Typische Formen im Praxisalltag
Die generalisierte Angststörung äußert sich durch eine diffuse, ständige Besorgnis, die sich an wechselnden Themen festmacht – Gesundheit, Finanzen, die Familie, der Arbeitsplatz. Panikattacken dagegen kommen meist plötzlich und heftig, oft verbunden mit der Angst, gleich zu sterben oder die Kontrolle zu verlieren, klingen aber nach wenigen Minuten wieder ab. Soziale Ängste zeigen sich vor allem in Situationen, in denen man von anderen beobachtet oder bewertet werden könnte. Allen Formen ist gemeinsam, dass Vermeidung kurzfristig Erleichterung bringt, die Angst langfristig aber eher verstärkt.
Der erste Schritt in Behandlung
Viele Menschen warten Jahre, bevor sie sich Hilfe suchen – aus Scham, aus der Hoffnung, es werde von allein besser, oder weil sie die Symptome zunächst für rein körperlich halten. Der erste Schritt muss dabei gar nicht groß sein: ein Erstgespräch, in dem wir gemeinsam schauen, wie sich die Angst im Alltag zeigt und welche Situationen betroffen sind.
In der Verhaltenstherapie arbeiten wir unter anderem mit der schrittweisen, kontrollierten Annäherung an gefürchtete Situationen. Das klingt zunächst unangenehm, und das ist es zu Beginn oft auch – aber genau dieser Prozess zeigt vielen Betroffenen, dass die befürchtete Katastrophe ausbleibt und die Angst mit jeder Wiederholung etwas kleiner wird.
Was Sie selbst tun können, bevor die Therapie beginnt
Bis zum ersten Termin hilft es manchmal schon, ein einfaches Tagebuch zu führen: Wann tritt die Angst auf, wie stark, was geht vorher voraus? Diese Beobachtungen sind später auch für die Therapie eine wertvolle Grundlage. Wer in Berlin nach einem Ansprechpartner sucht, kann sich für ein unverbindliches Erstgespräch in meiner Praxis melden.