Diese Frage höre ich in meiner Praxis in Berlin-Friedrichshain oft, meistens irgendwann zwischen der fünften und der fünfzehnten Sitzung. Die kurze Antwort: Dass eine Therapie wirkt, zeigt sich meist zuerst im Alltag und nicht im Gefühl. Sie reagieren in einer Situation etwas anders als früher, Sie erholen sich schneller von einem schlechten Tag, oder Sie merken überhaupt erst, was gerade in Ihnen vorgeht. Das große Aufatmen kommt, wenn überhaupt, später.
Viele Patienten erwarten einen deutlichen Moment, an dem es sich besser anfühlt. So läuft Veränderung selten. Sie kommt in kleinen Verschiebungen, und genau die übersieht man leicht, weil man selbst mittendrin steckt.
Therapie wirkt: Anzeichen, die leicht übersehen werden
Wenn ich mit Patienten auf die bisherigen Wochen zurückschaue, tauchen häufig ähnliche Beobachtungen auf. Nicht alle treffen auf jeden zu, und sie kommen nicht in einer festen Reihenfolge:
- Sie bemerken ein altes Muster, während es passiert, und nicht erst Stunden danach. Ändern lässt es sich vielleicht noch nicht, aber Sie sehen es.
- Ein Rückschlag wirft Sie nicht mehr ganz so weit zurück, und Sie finden schneller wieder heraus.
- Gedanken, die früher wie Tatsachen klangen, wirken etwas weniger zwingend.
- Sie sprechen über ein Thema, das Sie anfangs gemieden haben.
- Menschen in Ihrem Umfeld sagen, Sie wirkten ruhiger oder klarer, obwohl Sie selbst das noch gar nicht so empfinden.
Das klingt unspektakulär. In der Verhaltenstherapie ist es aber oft genau der Punkt, an dem sich etwas zu lösen beginnt: Wer ein Muster erkennt, kann anfangen, anders damit umzugehen.
Warum es sich zwischendurch schlechter anfühlen kann
Manchmal sagen Patienten nach einigen Sitzungen, es gehe ihnen eher schlechter als vorher. Das ist unangenehm, heißt aber nicht automatisch, dass die Therapie schadet oder nicht passt. Wer sich zum ersten Mal bewusst mit einer Angst, einer belastenden Erinnerung oder einem eingefahrenen Beziehungsmuster beschäftigt, rührt Dinge an, die lange zugedeckt waren. Das kostet Kraft.
Gerade in der Traumatherapie achte ich deshalb sehr darauf, dass zuerst genug Stabilität da ist, bevor wir an schwierige Inhalte gehen. Wichtig ist mir: Sprechen Sie es an, wenn es Ihnen zwischen den Sitzungen schlechter geht. Das ist eine wertvolle Information, und wir können Tempo und Vorgehen daran anpassen.
Ziele, an denen sich Fortschritt messen lässt
Ob sich etwas verändert, lässt sich leichter sagen, wenn klar ist, wohin die Reise gehen soll. Im Erstgespräch und in den ersten Stunden erarbeite ich mit Patienten deshalb möglichst konkrete Therapieziele. „Weniger Angst haben“ ist ein verständlicher Wunsch, aber schwer zu überprüfen. „Wieder allein mit der S-Bahn zur Arbeit fahren können“ lässt sich beobachten.
In regelmäßigen Abständen schauen wir gemeinsam auf diese Ziele. Manchmal zeigt sich dabei, dass mehr passiert ist als gedacht. Manchmal auch, dass ein Ziel nicht mehr stimmt und angepasst werden sollte. Beides gehört zu einer ehrlichen Zwischenbilanz.
Wenn Sie das Gefühl haben, die Therapie bringt nichts
Dieser Gedanke ist erlaubt, und er gehört in die Sitzung, nicht in die Schublade. Ich wünsche mir, dass Patienten ihn aussprechen. Oft steckt dahinter etwas Klärbares: ein Ziel, das zu groß gewählt war, ein Thema, das noch nicht auf dem Tisch liegt, oder eine Methode, die gerade nicht passt. Und manchmal stimmt auch die Chemie zwischen uns nicht. Auch das darf man offen sagen, ohne jemanden zu kränken.
Wenn Sie in Berlin eine Psychotherapie suchen oder Fragen zu Ihrer laufenden Behandlung haben, können Sie sich gern an meine Praxis in Friedrichshain wenden. Einen Therapieplatz gibt es dort derzeit ohne Wartezeit.
Woran merke ich, dass meine Therapie wirkt?
Meist daran, dass Sie im Alltag etwas anders erleben oder tun als vorher: Sie erkennen alte Muster früher, erholen sich schneller von schwierigen Momenten oder sprechen Themen an, die Sie früher vermieden haben. Diese Veränderungen sind oft leise und fallen anderen manchmal eher auf als Ihnen selbst.
Ist es normal, dass es mir in der Therapie erst schlechter geht?
Ja, das kann vorkommen, besonders wenn belastende Themen zum ersten Mal genauer angeschaut werden. Ein vorübergehendes Tief bedeutet nicht, dass die Therapie scheitert. Sagen Sie es Ihrer Therapeutin, damit Tempo und Vorgehen angepasst werden können.
Was mache ich, wenn ich das Gefühl habe, die Therapie bringt nichts?
Sprechen Sie es direkt in der nächsten Sitzung an. Häufig lässt sich gemeinsam klären, ob die Ziele angepasst werden müssen, ein wichtiges Thema noch fehlt oder ein anderes Vorgehen besser passt.