In meiner Praxis in Dortmund erlebe ich einen wiederkehrenden Verlauf bei männlichen Patienten: Sie kommen nicht wegen Traurigkeit, sondern wegen Rückenschmerzen, die kein Arzt erklären kann. Wegen Schlafproblemen. Wegen einer Erschöpfung, die sich trotz Urlaub nicht bessert. Oder weil die Partnerin darauf besteht, dass irgendetwas nicht stimmt, weil die Reizbarkeit zu Hause kaum noch auszuhalten ist. Erst im Gespräch stellt sich dann heraus, dass eine Depression dahintersteckt.
Reizbarkeit statt Traurigkeit
Die klassischen Depressionskriterien orientieren sich stark an einem Symptombild, das eher bei Frauen typisch ist: gedrückte Stimmung, Weinen, sozialer Rückzug, ein spürbares Gefühl von Leere. Bei Männern zeigt sich Depression häufig anders. Kurze Zündschnur und ein Gefühl von innerer Anspannung, das sich schwer in Worte fassen lässt. Manche greifen vermehrt zu Alkohol, andere stürzen sich in Arbeit, bis der Körper irgendwann streikt. Nach außen wirkt das selten wie eine Depression, eher wie schlechte Laune oder Stress.
Warum viele Männer spät oder gar nicht in Behandlung kommen
Das liegt zum einen an diesem untypischen Symptombild, das weder von den Betroffenen selbst noch vom Umfeld sofort als Depression eingeordnet wird. Zum anderen spielt eine Rolle, wie Jungen und Männer noch immer sozialisiert werden: Stärke zeigen, Probleme allein lösen, nicht jammern. Über Erschöpfung oder Überforderung zu sprechen, fühlt sich für viele wie ein Eingeständnis von Schwäche an. Das führt dazu, dass sich manche erst dann Hilfe holen, wenn die Belastung schon sehr weit fortgeschritten ist, etwa nach einem beruflichen Zusammenbruch oder wenn eine Beziehung daran zu zerbrechen droht.
Wie sich das in meiner Praxis in Dortmund zeigt
Häufig sind es körperliche Beschwerden, die den ersten Anlass für einen Termin geben. Verspannungen oder eine Müdigkeit, die auch nach dem Urlaub nicht weggeht. Im Erstgespräch frage ich dann gezielt nach Reizbarkeit, nach dem Umgang mit Alkohol, nach Rückzug von Freunden oder Hobbys, die früher wichtig waren. Oft ist die Erleichterung spürbar, wenn ein Patient merkt, dass sein Zustand einen Namen hat und dass er nicht einfach nur „schwach” ist, sondern behandelbar krank.
Der erste Schritt
Ein Gespräch, in dem konkrete Veränderungen der letzten Monate offen angesprochen werden, kann bereits ein erster, wichtiger Schritt sein. In meiner Praxis in Dortmund nehme ich mir für dieses erste Gespräch bewusst Zeit, ohne dass gleich eine Diagnose im Raum steht.