In meiner Praxis kommen immer wieder Erwachsene zu mir, die eine Prüfung vor sich haben und das Gefühl beschreiben, gegen den eigenen Kopf anzukämpfen. Sie kennen den Stoff, haben gelernt, und trotzdem bricht im entscheidenden Moment alles zusammen: Herzrasen, ein leerer Kopf, manchmal auch Übelkeit am Morgen der Prüfung. Prüfungsangst ist kein Zeichen mangelnder Vorbereitung. Sie ist ein erlerntes Muster, und genau deshalb lässt sie sich auch wieder verändern.

Woran Prüfungsangst wirklich hängt

Viele meiner Patientinnen und Patienten glauben zunächst, ihr Problem sei die Prüfung selbst. Bei genauerem Hinsehen zeigt sich fast immer etwas anderes: eine Kette von Gedanken, die lange vor dem eigentlichen Termin beginnt. Der Gedanke „Wenn ich das nicht schaffe, bin ich als Person gescheitert“ löst körperliche Anspannung aus, die Anspannung wiederum verstärkt den Gedanken. Diese Verbindung zwischen Bewertung, Körperreaktion und Vermeidungsverhalten ist der Ansatzpunkt der Verhaltenstherapie.

Der Blick auf das Vermeidungsverhalten

Ein Detail übersehen viele: Prüfungsangst wächst oft gerade durch die Strategien, mit denen man sie in den Griff bekommen will. Wer eine Probeklausur meidet, weil die Anspannung dabei kaum auszuhalten ist, verhindert damit ausgerechnet die Erfahrung, die beruhigen würde. Kurzfristig sinkt die Angst, wenn man ausweicht. Langfristig wächst sie. In der Therapie arbeiten wir deshalb gezielt mit kontrollierter Annäherung an die gefürchtete Situation, statt sie zu umgehen.

Was konkret in der Therapie passiert

Am Anfang steht meist eine genaue Analyse: Wann genau setzt die Angst ein, welche Gedanken gehen ihr voraus, wie reagiert der Körper. Diese Analyse ist unspektakulär, aber sie macht sichtbar, was vorher diffus blieb. Darauf aufbauend üben wir mit kognitiver Umstrukturierung, die automatischen Katastrophengedanken zu erkennen und durch realistischere zu ersetzen. Das bedeutet nicht, sich schönzureden. Es bedeutet, die Wahrscheinlichkeit eines Scheiterns von der gefühlten Sicherheit zu trennen, mit der man es erwartet.

Parallel dazu übe ich mit Patientinnen und Patienten Entspannungstechniken, die tatsächlich in der Prüfungssituation funktionieren – nicht die klassische Tiefenentspannung, die zwanzig Minuten braucht, sondern kurze Atemtechniken, die sich unter Zeitdruck anwenden lassen. Und wir arbeiten mit sogenannten Expositionsübungen: simulierten Prüfungssituationen, in denen die Angst bewusst zugelassen wird, bis der Körper lernt, dass sie nicht gefährlich ist.

Warum Wiederholung entscheidend ist

Ein einzelnes gutes Gespräch verändert selten etwas dauerhaft. Was wirkt, ist die wiederholte Erfahrung, dass die gefürchtete Situation aushaltbar ist. Deshalb dauert eine Behandlung von Prüfungsangst meist mehrere Wochen, in denen die Übungen im Alltag fortgesetzt werden. Manche meiner Patientinnen berichten, dass sich die größte Veränderung nicht am Prüfungstag selbst zeigt, sondern schon Wochen vorher – im Schlaf, in der Konzentration beim Lernen, in der Fähigkeit, sich überhaupt auf den Stoff statt auf die Angst zu konzentrieren.

Ein erster Schritt

Wenn Sie das Gefühl haben, dass die Angst vor Prüfungen größer geworden ist als die Prüfung selbst, muss das kein Dauerzustand bleiben. In einem ersten Gespräch schauen wir gemeinsam, welche Muster bei Ihnen konkret wirken und welcher Weg für Sie passt.

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