Kaum ein Thema kommt in meiner Praxis so häufig zur Sprache wie schlechter Schlaf. Oft ist es nicht der eigentliche Anlass für den ersten Termin, sondern taucht nebenbei auf: „Ach ja, und ich schlafe auch schon seit Monaten schlecht.“ Dabei ist der Schlaf selten das eigentliche Problem – meist ist er ein Spiegel dessen, was in der Psyche gerade nicht zur Ruhe kommt.

Warum der Schlaf so empfindlich auf die Psyche reagiert

Unser Nervensystem unterscheidet abends nicht besonders fein zwischen echter Gefahr und gedanklicher Grübelei. Wer sich Sorgen um die Zukunft macht, unter Druck bei der Arbeit steht oder ungelöste Konflikte mit sich herumträgt, aktiviert damit dieselben Systeme, die eigentlich für akute Bedrohungen gedacht sind. Das Gehirn bleibt wach, obwohl der Körper müde ist. Genau diese Diskrepanz erleben viele meiner Patientinnen und Patienten als quälend.

Interessant ist, dass sich der Zusammenhang auch umgekehrt zeigt. Schlafmangel selbst verstärkt Ängste, drückt auf die Stimmung und verringert die Fähigkeit, mit Belastung umzugehen. Es entsteht ein Kreislauf, der sich ohne Unterstützung nur schwer durchbrechen lässt.

Wenn Schlafhygiene allein nicht mehr reicht

Feste Zubettgehzeiten, kein Bildschirm vor dem Schlafen, ein kühles Zimmer – solche Empfehlungen sind bekannt und durchaus sinnvoll. Bei leichten, vorübergehenden Schlafproblemen helfen sie tatsächlich oft weiter. Doch wenn jemand seit Monaten nachts wach liegt, obwohl er alle Regeln befolgt, steckt in der Regel mehr dahinter als eine ungünstige Abendroutine.

In diesen Fällen erlebe ich häufig eine gewisse Erleichterung bei meinen Patienten, sobald klar wird: Es liegt nicht an mangelnder Disziplin. Es liegt daran, dass etwas anderes bearbeitet werden muss.

Der Unterschied zwischen vorübergehenden Schlafstörungen und einem tieferliegenden Problem

Ein hilfreicher Anhaltspunkt ist die Dauer. Schlafprobleme nach einer stressigen Woche sind normal und meist selbstlimitierend. Anders sieht es aus, wenn die Schlafstörung länger als vier Wochen anhält, den Alltag spürbar beeinträchtigt oder von Grübeln, Ängsten oder gedrückter Stimmung begleitet wird. Dann lohnt sich ein genauerer Blick auf das, was den Schlaf eigentlich stört.

Wie Verhaltenstherapie bei Schlafproblemen ansetzt

In der Verhaltenstherapie schauen wir uns gemeinsam an, welche Gedankenmuster abends besonders aktiv werden und wie sich der Umgang mit ihnen verändern lässt. Oft arbeiten wir auch an der Grundspannung tagsüber, denn wer den ganzen Tag im Überaktivierungsmodus verbringt, findet abends schwerer in die Ruhe. Das ist kein schneller Prozess, aber ein Weg, der an der eigentlichen Ursache ansetzt statt nur an den Symptomen.

Wenn Sie das Gefühl haben, dass Ihr Schlaf schon länger aus dem Gleichgewicht geraten ist, sprechen Sie das offen an – bei mir oder einer anderen Fachperson Ihres Vertrauens. Schlaf ist zu wichtig, um ihn dauerhaft dem Zufall zu überlassen.

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