Fast jede zweite Person, die zu mir in die Sprechstunde kommt, erwähnt irgendwann im Gespräch, dass sie schlecht schläft. Meist ist das nicht der Grund für die Anmeldung, sondern eine Randbemerkung. Dabei verdient dieses Thema mehr Aufmerksamkeit, als ihm oft gegeben wird. Schlaf ist kein Nebenschauplatz der Psyche, sondern eng mit ihr verwoben.

Wenn schlechter Schlaf zum Muster wird

Eine schlechte Nacht ist normal und kein Grund zur Sorge. Problematisch wird es, wenn sich über Wochen ein Muster einschleift: Grübeln beim Einschlafen, nächtliches Aufwachen mit kreisenden Gedanken, das Gefühl, morgens erschöpfter zu sein als vor dem Zubettgehen. An diesem Punkt lohnt sich ein genauerer Blick, denn Schlaf und psychische Belastung beeinflussen sich gegenseitig. Anhaltender Stress erschwert das Einschlafen, und der fehlende Schlaf wiederum senkt die Fähigkeit, mit Belastung umzugehen. Es entsteht ein Kreislauf, der sich selten von allein auflöst.

Nicht jede schlaflose Nacht braucht Therapie

Ich sehe in der Praxis oft eine Verunsicherung: Menschen fragen sich, ob sie bereits „krank“ sind, nur weil sie mal drei Nächte schlecht geschlafen haben. Das ist meistens nicht der Fall. Ein sinnvoller Anhaltspunkt ist die Dauer und die Auswirkung auf den Alltag. Wenn die Schlafprobleme länger als vier Wochen anhalten und sich spürbar auf Konzentration, Stimmung oder Belastbarkeit auswirken, ist das ein Signal, genauer hinzuschauen – nicht zwingend mit einer Diagnose, sondern mit einem Gespräch.

Was in der Behandlung wichtig ist

In der Verhaltenstherapie schauen wir zunächst, was die Schlafstörung aufrechterhält. Häufig sind es Gedankenmuster, die sich gerade abends verstärken, wenn die Ablenkung des Tages fehlt. Manchmal ist es auch ein Verhalten, das paradoxerweise das Problem verschlimmert: zu lange im Bett liegen bleiben, obwohl man wach ist, tagsüber Nickerchen halten, um die verlorene Nacht auszugleichen. Solche Strategien fühlen sich im Moment richtig an, verstärken aber langfristig die Störung.

Ein wesentlicher Baustein ist die sogenannte Stimuluskontrolle – das Bett wieder ausschließlich mit Schlaf zu verbinden, nicht mit Grübeln oder Wachliegen. Dazu kommen Techniken, mit denen sich Gedankenkreisen unterbrechen lässt, etwa feste „Sorgenzeiten“ tagsüber, in denen belastende Gedanken bewusst Raum bekommen, damit sie nachts weniger drängen. Bei manchen Patientinnen und Patienten zeigt sich im Verlauf, dass die Schlafstörung eigentlich ein Symptom einer tieferliegenden Belastung ist, etwa einer Depression oder einer Angststörung. Dann verschiebt sich der Fokus der Behandlung entsprechend.

Der erste Schritt zurück zu erholsamem Schlaf

Was mir in der Arbeit mit Betroffenen immer wieder auffällt: Allein das Verstehen des eigenen Musters nimmt oft schon Druck aus der Situation. Wer weiß, warum das Gedankenkarussell abends anspringt, kann anders damit umgehen als jemand, der sich nur hilflos fühlt.

Wann der Weg zu mir sinnvoll ist

Wenn Sie seit Wochen schlecht schlafen und merken, dass sich das auf Ihren Alltag auswirkt, sprechen Sie mich gerne an. Gemeinsam schauen wir, was hinter Ihren Schlafproblemen steckt und welcher Weg für Sie passt.

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