Wer heute einen Platz in einer Kassenpraxis für Psychotherapie sucht, braucht Geduld. Je nach Region und Fachrichtung liegen zwischen der ersten Anfrage und dem tatsächlichen Therapiebeginn oft viele Monate, manchmal deutlich mehr als ein Jahr. Das erlebe ich auch in Gesprächen mit Menschen, die sich bei mir melden, nachdem sie schon mehrere Absagen oder Wartelisten hinter sich haben.

Warum die Wartezeit auf einen Therapieplatz selbst zur Belastung wird

Wer sich entschieden hat, Hilfe zu suchen, steht meist ohnehin schon unter Druck. Die Aussicht, monatelang zu warten, kann diesen Druck verstärken – gerade wenn sich Schlafprobleme, Ängste oder depressive Verstimmungen in dieser Zeit nicht von selbst bessern. Manche Betroffene geben die Suche zwischenzeitlich auf. Genau das möchte ich mit diesem Beitrag verhindern.

Was Sie konkret tun können, während Sie warten

Ein erster, oft unterschätzter Schritt: Rufen Sie bei mehreren Praxen gleichzeitig an, nicht nacheinander. Viele Praxen führen Wartelisten und melden sich, sobald ein Platz frei wird – wer nur bei einer Praxis wartet, verschenkt Zeit. Auch die Terminservicestelle der Kassenärztlichen Vereinigung unter der 116117 kann innerhalb weniger Wochen einen Termin zur psychotherapeutischen Sprechstunde vermitteln, auch wenn daraus nicht automatisch ein Therapieplatz folgt.

Überbrückend helfen manchen Menschen strukturierte Beratungsangebote vor Ort, etwa bei kommunalen psychosozialen Beratungsstellen. Diese ersetzen keine Psychotherapie, können aber in einer akuten Phase stabilisieren und erste Orientierung geben.

Privatpraxis oder Online-Sprechstunde als schnellerer Zugang

Eine Möglichkeit, die in der Diskussion um Wartezeiten häufig zu kurz kommt: der Weg über eine Privatpraxis. Hier entfällt die Warteliste der Kassensitze, weil die Abrechnung direkt mit der Patientin oder dem Patienten beziehungsweise über eine private Zusatzversicherung erfolgt. In meiner Praxis in Dortmund biete ich aus diesem Grund kurzfristige Ersttermine an – oft innerhalb weniger Tage statt Monate.

Wer räumlich flexibel ist oder ohnehin lieber von zu Hause aus startet, kann zusätzlich eine Online-Sprechstunde in Betracht ziehen. Diese ersetzt bei manchen Anliegen den persönlichen Termin nicht vollständig, eignet sich aber gut für ein erstes Kennenlernen und die Klärung, welche Unterstützung tatsächlich passt.

Was in einem Erstgespräch passiert

In einem Erstgespräch geht es zunächst darum, sich ein Bild von der aktuellen Situation zu machen: Was belastet Sie gerade am meisten? Seit wann? Und was haben Sie bereits versucht? Aus meiner Praxiserfahrung hilft es vielen Menschen bereits, überhaupt einmal aussprechen zu können, was sie beschäftigt – unabhängig davon, ob daraus direkt eine langfristige Therapie entsteht.

Ein Rat aus der Praxis

Warten Sie mit der Kontaktaufnahme nicht, bis Sie sich sicher sind, dass Ihr Anliegen schwer genug ist. Diese Sorge höre ich sehr oft, und sie hält Menschen unnötig lange von einem ersten Schritt ab. Ein Erstgespräch verpflichtet zu nichts, klärt aber, welche Wege für Sie tatsächlich realistisch sind – ob über die Warteliste, eine Übergangslösung oder eine Privatpraxis.

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