„Ich dachte, ich hätte es geschafft.“ Mit diesem Satz beginnen viele Sitzungen nach einem Rückschlag. Wochen ging es bergauf, der Schlaf wurde besser, die Arbeit machte wieder Sinn. Dann ein schlechter Tag, danach noch einer, und plötzlich fühlt sich alles an wie am Anfang. Die Enttäuschung darüber ist oft größer als das Tief selbst.

Ein Rückschlag in der Therapie löscht nichts aus

Die kurze Antwort auf die Frage aus dem Titel lautet: Nein, es war nicht umsonst. Was Sie in den vergangenen Wochen gelernt und erlebt haben, verschwindet nicht, nur weil es sich gerade nicht abrufen lässt. Veränderung verläuft selten in einer geraden Linie. Eher gleicht sie einer Treppe mit Absätzen, auf denen man manchmal ein paar Stufen zurückrutscht.

In meiner Praxis erlebe ich häufig, dass Patienten nach einem Rückschlag schneller wieder Halt finden als beim ersten Mal. Sie kennen die Warnzeichen inzwischen, sie wissen, welche Übungen ihnen gutgetan haben, und sie haben einen Ort, an dem sie darüber sprechen können.

Warum Rückschläge so entmutigend wirken

Gerade bei Depressionen färbt die Stimmung die Erinnerung. Im Tief erscheint auch die Vergangenheit grau, und die guten Wochen wirken plötzlich wie Einbildung. Hinzu kommt ein Gedanke, den ich oft höre: „Wenn ich es jetzt nicht halten kann, dann wird es nie halten.“ Dieser Schluss ist verständlich, aber er beruht auf einer Momentaufnahme.

Häufig gibt es auch einen Auslöser, der im Rückblick klarer wird: eine stressige Phase im Job, ein Konflikt in der Familie, die dunkle Jahreszeit oder schlicht zu wenig Schlaf. Das macht den Rückschlag nicht kleiner, aber es macht ihn erklärbar.

Was Sie selbst tun können

Zuerst: das Tief nicht als Urteil über sich selbst lesen. Hilfreich ist es, nüchtern festzuhalten, was sich verändert hat. Seit wann geht es schlechter? Was war in dieser Zeit los? Was hat Ihnen in den guten Wochen geholfen, und haben Sie das zuletzt noch getan?

Oft sind es die kleinen Routinen, die als Erstes wegfallen, wenn es besser geht: der Spaziergang am Morgen, feste Schlafenszeiten, das Gespräch mit einer vertrauten Person. Sie wieder aufzunehmen, fühlt sich anfangs mühsam an, wirkt aber meist stabilisierender als jeder große Vorsatz.

Und bitte: Brechen Sie die Therapie in dieser Phase nicht ab. Genau jetzt ist sie besonders wertvoll.

Wie wir in der Therapie damit arbeiten

Ein Rückschlag ist für die Behandlung eine wichtige Informationsquelle. Wir schauen gemeinsam, welche Situation ihn angestoßen hat und welche Gedanken und Gefühle dabei auftauchten. Daraus entsteht oft ein persönlicher Plan für künftige Krisen: Woran erkenne ich frühzeitig, dass es kippt? Was tue ich dann zuerst? Wen rufe ich an?

Gegen Ende einer Therapie bereiten wir solche Phasen gezielt vor, damit Sie auch ohne regelmäßige Sitzungen wissen, was zu tun ist. Ein Rückschlag ist dann kein Rückfall in den Anfang, sondern eine Situation, für die Sie Werkzeuge haben.

Wenn Sie gerade in einer solchen Phase stecken und noch keine Begleitung haben, können Sie sich gern an meine Praxis in Berlin-Friedrichshain wenden. 

Ist es normal, dass es in der Therapie wieder schlechter wird?

Ja, Rückschläge gehören bei den meisten Behandlungen dazu und bedeuten nicht, dass die Therapie gescheitert ist. Veränderung verläuft selten geradlinig, und ein Tief zeigt oft, wo noch Unterstützung nötig ist.

Was tun bei einem Rückfall in die Depression?

Sprechen Sie den Rückfall möglichst früh in Ihrer Therapie oder bei Ihrem Arzt an, statt ihn allein auszuhalten. Bis dahin hilft es, die Routinen wieder aufzunehmen, die Ihnen in besseren Zeiten gutgetan haben. Bei Gedanken, sich das Leben zu nehmen, wenden Sie sich bitte sofort an den ärztlichen Notdienst unter 116 117 oder den Notruf 112.

Sollte ich die Therapie nach einem Rückschlag abbrechen?

Nein, gerade nach einem Rückschlag ist die Therapie besonders wertvoll. In dieser Phase lässt sich gut erkennen, was den Einbruch ausgelöst hat, und gemeinsam ein Plan für künftige Krisen entwickeln.

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