EMDR gehört zu den am besten erforschten Methoden in der Traumatherapie, und trotzdem herrscht bei vielen Ratsuchenden Unsicherheit darüber, was in einer Sitzung eigentlich passiert. Die Abkürzung steht für Eye Movement Desensitization and Reprocessing – ein sperriger Name für ein Verfahren, das sich im Kern recht einfach beschreiben lässt.

Was während einer EMDR-Sitzung geschieht

Während sich die behandelte Person an ein belastendes Erlebnis erinnert, folgt sie mit den Augen meiner Hand, die ich in einem gleichmäßigen, festgelegten Rhythmus vor ihrem Blickfeld hin und her bewege. Diese bilaterale Stimulation, die alternativ auch durch wechselseitiges Klopfen oder Töne erfolgen kann, scheint die Verarbeitung belastender Erinnerungen im Gehirn zu unterstützen. Die Erinnerung selbst bleibt bestehen, doch die emotionale Intensität, mit der sie sich aufdrängt, kann im Verlauf der Behandlung deutlich nachlassen.

Wichtig zu verstehen: EMDR ist kein Trick, der ein Trauma "löscht". Es geht darum, eine Erinnerung, die im Nervensystem gewissermaßen feststeckt, in einen normalen Verarbeitungsprozess zu überführen – ähnlich wie es bei weniger belastenden Ereignissen ohnehin von selbst geschieht.

Wann EMDR infrage kommt

Klassischerweise wird EMDR bei posttraumatischer Belastungsstörung eingesetzt, etwa nach Unfällen, Gewalterfahrungen oder einschneidenden Verlusten. In meiner Praxis sehe ich aber auch häufiger Menschen mit belastenden Einzelerlebnissen, die keine vollständige PTBS-Diagnose erfüllen, sich aber dennoch immer wieder aufdrängen – ein Sturz, eine medizinische Notsituation, ein Streit, der körperlich eskaliert ist.

Vor dem eigentlichen EMDR steht bei mir immer eine ausführliche Stabilisierungsphase. Wer aktuell akut überflutet ist von Erinnerungen oder kaum zur Ruhe kommt, braucht zunächst andere Werkzeuge, bevor die konfrontative Arbeit mit der Erinnerung sinnvoll ist. Diese Reihenfolge einzuhalten ist aus meiner Erfahrung einer der wichtigsten Faktoren dafür, dass EMDR gut vertragen wird.

Was EMDR nicht ist

EMDR ersetzt kein Gespräch. Die Verarbeitung der Erinnerung findet zwar über die bilaterale Stimulation statt, eingebettet ist sie aber immer in ein therapeutisches Setting mit Vor- und Nachbesprechung. Auch deckt die Methode keine anderen Themen ab, die häufig neben einem Trauma bestehen, etwa depressive Verstimmungen oder Beziehungsschwierigkeiten. Hier arbeite ich meist mit einer Kombination aus EMDR und verhaltenstherapeutischen Elementen.

Nicht jede Person reagiert gleich auf EMDR. Manche berichten schon nach wenigen Sitzungen von einer deutlichen Entlastung, bei anderen braucht der Prozess mehr Zeit, besonders wenn mehrere belastende Erinnerungen miteinander verknüpft sind. Beides ist normal und sagt nichts darüber aus, ob die Methode grundsätzlich zu jemandem passt.

Der erste Schritt

Ob EMDR für Sie infrage kommt, lässt sich am besten im persönlichen Gespräch klären.  Wenn Sie sich seit Längerem mit belastenden Erinnerungen tragen, die sich einfach nicht abschwächen wollen, ist ein Erstgespräch ein guter Ausgangspunkt, um herauszufinden, welcher Weg zu Ihnen passt.

Termin anfragen

Weitere Artikel zu „Trauma & EMDR"

← Zurück zum Ratgeber