Eine Frage, die mir Patientinnen und Patienten oft am Ende einer Sitzung stellen: Was soll ich jetzt bis zum nächsten Termin machen? Die ehrliche Antwort ist: mehr, als die meisten denken – aber anders, als es klassische Ratgeber vermuten lassen.
Therapie findet nicht nur im Sitzungsraum statt
50 Minuten pro Woche, vielleicht alle zwei Wochen – gemessen an der gesamten Lebenszeit ist das wenig. Der eigentliche Wandel passiert zwischen den Terminen, im Alltag, wenn alte Muster auf die Probe gestellt werden. In meiner Dortmunder Praxis sehe ich immer wieder: Wer die Zeit dazwischen aktiv nutzt, kommt schneller voran als jemand, der Therapie als reinen Gesprächstermin versteht.
Was aktive Mitarbeit tatsächlich bedeutet
Das heißt nicht, jeden Abend ein Tagebuch mit zehn Punkten auszufüllen. Aktive Mitarbeit bedeutet vor allem, das im Gespräch Besprochene bewusst im Alltag zu beobachten. Wenn wir zum Beispiel an einem Vermeidungsverhalten arbeiten, geht es darum, in der konkreten Situation kurz innezuhalten und zu bemerken: Jetzt passiert genau das, worüber wir gesprochen haben. Diese Sekunde der Bewusstheit ist oft wertvoller als jede Übung auf Papier.
Manche vereinbaren mit mir kleine, sehr konkrete Schritte – ein bestimmtes Gespräch führen, eine Situation nicht wie gewohnt umgehen, eine Reaktion einmal bewusst anders ausfallen lassen. Diese Schritte sind absichtlich klein gehalten. Zu große Vorsätze scheitern meistens schon in der ersten Woche und hinterlassen nur das Gefühl, versagt zu haben.
Rückschläge gehören dazu
Es kommt vor, dass jemand in der Folgesitzung sagt: Ich habe es nicht geschafft. Das ist kein Grund zur Sorge, sondern selbst ein Ergebnis, mit dem sich arbeiten lässt. Woran ist es gescheitert? War der Schritt zu groß? Kam etwas dazwischen, das wir nicht bedacht hatten? Genau diese Rückmeldung aus dem echten Leben macht die Therapie präziser, als es reine Theorie je könnte.
Was Sie konkret tun können
Ein einfacher Anfang: Notieren Sie sich Situationen, in denen ein besprochenes Muster auftaucht – kurz, ohne Anspruch auf Vollständigkeit. Ein Satz reicht oft. Diese Notizen bringen wir dann gemeinsam in die nächste Sitzung ein und schauen genauer hin, was dahintersteckt.
Genauso wichtig: Achten Sie auch auf das, was bereits funktioniert. Viele konzentrieren sich ausschließlich auf das, was noch nicht klappt, und übersehen kleine Fortschritte, die es wert sind, benannt zu werden.
Ihr Anteil am Prozess
Therapie ist keine Dienstleistung, die an einem vorbeigeht, während man selbst passiv bleibt. Sie ist eine Zusammenarbeit, bei der die Zeit zwischen den Terminen genauso zählt wie die Sitzung selbst. Wenn Sie in Dortmund eine Verhaltenstherapie beginnen oder bereits mittendrin sind: nehmen Sie diese Zwischenzeit ernst, aber nicht als zusätzlichen Druck – als Raum, in dem sich zeigt, was im Gespräch nur besprochen werden kann.